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发表于 2011-7-29 14:42
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贴一篇女儿的作文,跟大家分享![](static/image/smiley/big/067.gif)
Ich sehe, was du nicht siehst
„Die gewählte Nummer ist nicht vergeben.“ Das müsste Lydias Lieblingszitat sein, damit sie es immer wieder in Deutsch und Englisch abwechselnd wiederholte. Das müsste Selinas Lieblingszitat sein, damit sie es immer wieder geduldig zuhörte.
Da stand sie alleine am Parkplatz, drückte sich gegen der alten Wand des Schulhofs, hob ihr Handy in der Hand und flüsterte was hinzu. Ihre schulterlange blonde Haare wehte im Wind herum, die seeblaue Augen blinzelten ab und zu, darauf folgte ein fröhliches Lächeln. Selina, hieß dieses Mädchen, Selina Killand, die Einzelgängerin. Sie war übrigens sehr beliebt, als sie zuerst in der Schule kam. Doch sie verzichtete darauf, andere Leute kennen zu lernen, und Freundschaft miteinander schließen, das schon gar nicht – Sie war viel zu treu dafür. Ihre ewige Freundin, jedoch ihre einzige, nannte sich Lydia und lebte irgendwo in Heidelberg. Daran lag wohl, warum niemand aus der Schule sie jemals gesehen hatte, natürlich alle, außer Selina.
Es wurde bald Sommer, davor kam noch der Abschlussball, worauf die 18-jährigen am meisten freuten. Dort gaben die „Teenie-Stars“ an, mit ihren tausenden von Freunden um sie herum, sie tanzten und sauften, bis sie zusammenbrachen. Zum ersten Mal hatte sich Selina getraut, sich dort an zu melden. Denn Lydia würde mit ihr tanzen, und zwar vor der ganzen Mitschülern, die schon immer glaubten, dass sie gar keine Freunde hätte. Doch das stimmte nicht, und alle andere sollten das wissen.
Vor Freude und Aufregung drückte sie das Handy noch fester an ihrem Gesicht, stopfte all ihre Gedanken ins Ohr ihrer einzigen Freundin, wie sie das jeden Tag tat. Lydia dagegen blieb ganz ruhig und wiederholte stets mit sanfter Stimme: „Die gewählte Nummer ist nicht vergeben.“ 7 Jahre waren bereits vorbei, seit die beide Mädels sich kannten. 7 Jahre lang hat Lydia ihr Lieblingszitat am Telefon geflüstert, und 7 Jahre lang hat Selina ihr dabei zugehört. Für sie gab es wohl kein anderes Wort, das so wunderschön war, dasselbe sowie die Stimme von der geliebten Lydia. Und das alles hat 7 Jahre lang gedauert, nur 7 Jahre lang. Alles endete ein Tag vor dem Abschlussball.
Als sie ins Bett kroch und ihr Handy in die Hand griff, um Lydia einen letzten Anruf des Tages zu geben, war dreiundzwanzig Uhr siebenundvierzig. Sie gab die bekannteste Nummer ein und erwartete das bekannteste Wort in der Stille, doch eine fremde kraftlose Stimme brach plötzlich ein: „Walters, hallo?“ Sie rührte nicht und gab kein einziges Wort. Die Stimme klang grausam, als hätte sich jeder kleinster Traum in einer einzigen Sekunde gebrochen. „Hallo? Wer ist am Telefon?“ Die Stimme war anscheinend ein wenig verärgert, eine andere Stimme klang in der weiteren Ferne: „Telefonstreich? Na so was! Schon am ersten Tag nachdem du deine Nummer gewechselt hast, brauchst wohl wieder ne neue!“ Die Stimme lag auf, das Handy fiel ihr aus der Hand und landete schließlich am eiskalten Boden, sie umwickelte sich mit Bettdecke und brach zusammen. „Ich will dich nur daran erinnern, morgen zu den Abschlussball zu kommen,“ murmelte sie leise: „Komm zu den Ball, komm zu den Ball, bitte, Lydia.“
Ich traf sie zum ersten Mal im Abschlussball, als sie alleine an der Wand stand. Sie schaute zum Boden, ihre Lippen bewegten sich, doch man konnte sie nicht hören. „Willst du nicht tanzen? Ihr habt ja schließlich Abschluss, was bei mir noch lang dauern wird,“ ich schaute sie fragend an und setzte mich neben ihr hin. Selina Killand, die Einzelgängerin. Davon habe ich bereits viel gehört.
„Ich verzichte darauf,“ antwortete sie nach einer Weile: „Magst du aber was spielen?“
„Wenn’s geht, natürlich,“ ich war auf einmal stolz darauf, dass ich tatsächlich mit DER Selina normal reden konnte.
Sie schaute sich um und fing an: „Ich sehe, was du nicht siehst, und sie hat braune Haare.“
„Hier sind aber echt viele Braunhaarige,“ ich schaute ebenfalls um und beschwerte mich.
„Ich sehe, was du nicht siehst,“ sie wiederholte nochmal und lächelte mich geheimnisvoll zu.
Bis heute kennen wir uns seit 2 Jahren, sie hat mir vieles über ihrer Freundin Lydia erzählt, die vor 2 Jahren nach USA umgezogen hat und seitdem kaum noch mit ihr telefonierte. Selina ist eine tolle, hilfsbereite Freundin, und ihre Geschichte wäre nun so gut wie perfekt für meinen Deutschaufsatz. Ich greife nach meinem Handy und rufe sie zum dritten Mal heute an, um nochmals zu sichern, ob ich ihre tolle Geschichte benutzen darf. „Hey Selina, macht es dir wirklich nichts aus, dass ich deine Erlebnisse in meinen Aufsatz einbringe?“
„Die gewählte Nummer ist nicht vergeben,“ wiederholt sie ihr Lieblingszitat, wie sie das 2 Jahre lang schon immer getan hat.
Ich sehe, was du nicht siehst.
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